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Atomausstieg - Wie weiter?

Nach der verheerenden Naturkatastrophe in Japan, welche das  Atomkraftwerk Fukushima stark beschädigte, will der Bundesrat aus der  Atomenergie aussteigen. So hat der Bundesrat am 25. Mai 2011 den schrittweisen  Ausstieg bis ins Jahr 2034 beschlossen.

 

In der Schweiz werden rund 40 % mit Atomenergie,  55 % mit Wasserenergie, 4 % mit Fossiler  Energie und 1 % mit erneuerbarer Energie abgedeckt. Steigen wir nun aus der  Atomenergie aus, dann fehlen uns rund 40 % für die Stromversorgung. Die  sogenannte Stromlücke entsteht. Um diese Stromlücke zu schliessen, gibt es verschiedene  Möglichkeiten. Eine davon wäre, erneuerbare Energiequellen zu schaffen wie neue  Photovoltaikanlagen, Windräder, oder Speicher- und Pumpenspeicherkraftwerke.  Auch einen Ausbau der bestehenden Wasserkraftwerke wäre möglich. Die zweite Möglichkeit wäre, rund 40 % mehr Strom zu importieren oder die  dritte Möglichkeit, den Bau von Gaskombikraftwerken.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist es wirtschaftlich und finanziell nicht  möglich, alle Atomkraftwerke in der Schweiz mit erneuerbare Energiequellen zu  ersetzen. Dies zeigen vor allem die nachfolgenden Beispiele.

 

Will man das Atomkraftwerk Mühleberg ersetzen, welches eine  Jahresleistung von 3100 Millionen Kilowattstunden erbringt (3,1 TWh oder 3‘100‘000‘000‘000  Wh), so müsste man eine Photovoltaikanlage mit einer Gesamtfläche von 18 km2  bauen, was etwa der Fläche von Belp entspricht. Diese Berechnung basiert auf  einer Photovoltaikanlage eines Einfamilienhauses, welche einen Ertrag von etwa  166 kWh/m2 (166‘000 Wh/m2) pro Jahr erbringt.

 

Will man das Atomkraftwerk Mühleberg mit Windenergie ersetzen, so  benötigt man 364 Windkparks wie sie in der Region Mont-Crosin zu finden sind.  Dieser Windpark hat eine Jahresleistung von 8,5 GWh (Quelle: www.juvent.ch).

In der Schweiz haben wir fünf Atomkraftwerke an vier Standorten. Wenn  wir alle fünf Atomkraftwerke ersetzen wollen, welche zusammen etwa 25 TWh pro  Jahr liefern, so ist bei einer Photovoltaikanlage eine Fläche von rund 150 km2,  also fast der halben Fläche des Wahlkreises Thun nötig. Will man die  Atomkraftwerke mit Windparks ersetzen, so benötigt man etwa 2'941 solcher Windparks.

 

Den Ersatz durch Neubau von Wasserkraftwerken oder die Erweiterung der  bestehenden Wasserkraftwerke kann in der Schweiz zu keiner Lösung führen. In  der Schweiz besitzen wir über 500 Wasserkraftwerke, welche eine Jahresleistung  von 36 TWh erbringen. Aus Gründen des Platzes, welcher in der Schweiz beschränkt  ist, kann man alleine durch neue Wasserkraftwerke den Atomausstieg nicht  kompensieren.

 

Die Atomkraftwerke könnte man theoretisch auch durch zusätzliche  Stromimporte decken. Das Problem ist, dass nicht nur die Schweiz mit Engpässen  der Stromversorgung rechnen muss, sondern ganz Europa. Der Strombedarf wird in  ganz Europa steigen und ältere Kraftwerke gehen schneller vom Netz als neue  gebaut werden. Eine Erhöhung der Stromimporte würde auch eine Erhöhung der  Strompreise bewirken. Es ist auch fraglich, ob andere Länder überhaupt in der  Lage sind Strom in die Schweiz zu exportieren, da sie auch mit  Versorgungsengpässen rechnen müssen. Die Selbstversorgung geht dem Export von  Strom voraus. Durch den Import von Strom wird die Schweiz zudem abhängig vom  Ausland, was sicher nicht im Interesse der Schweiz ist.

Beim Ersatz ist auch häufig die Rede von Gaskombikraftwerken, welche  einen CO2-Ausstoss aufweisen. Die Umweltbelastung wird durch solche  Kraftwerke steigen. Gleichzeitig soll in der Schweiz der CO2-Ausstoss  verringert werden. Ein weiterer Punkt welcher unsere Umwelt belastet ist, dass  1 - 3 % des Gases Methan (CH4) aus den Gasleitungen, welche zu den  Kraftwerken führen durch Leckagen entweicht. Dieses Gas ist als Treibhausgas  etwa 21 Mal schlimmer als CO2.

 

Rot - Grün möchte den Atomausstieg. Gleichzeitig sind sie aber dagegen,  dass Windräder gebaut werden, da es nicht schön aussieht, Lärmemissionen verursacht  und die Zugvögel gestört werden. Sie sind auch dagegen, Staumauern der  Speicherkraftwerke sowie Pumpenspeicherkraftwerke zu erhöhen, um die Kapazität  zu vergrössern, weil dann einige Bäume in Gefahr sind. Sie sind aber dafür,  dass der Umstieg auf Elektroautos gefördert werden soll, welche den Strom aus  unseren Kraftwerken beziehen.

Die Atomenergie hat sich im Vergleich zu früheren Jahren  weiterentwickelt. So soll die Forschung in diesem Bereich fortgesetzt werden.  Schon vor der Kernspaltung wurde die Kernfusion entdeckt, welche bei stetiger  Forschung zur Stromerzeugung in ferner Zukunft genutzt werden könnte. Die  Kernfusion weisst gegenüber der Kernspaltung einen grösseren Brennstoffvorrat,  eine höhere Anlagensicherheit und weniger langlebige radioaktive Abfälle auf.

 

Der Strombedarf wird in den nächsten Jahren aufgrund des Wachstums der  Schweizer Bevölkerung weiter steigen. In den letzten Jahren stieg der  Strombedarf durchschnittlich um 2 % pro Jahr. Die Prognosen sagen für die  nächsten Jahre einen durchschnittlichen Anstieg des Strombedarfs von 0.5 - 2 %  pro Jahr voraus. Statistiken belegen, dass in den letzten Jahren das Bevölkerungswachstum in der Schweiz immer zugenommen hat, dies wird sich in  Zukunft auch nicht ändern. Gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) nahm die  Bevölkerung in den letzten vier Jahren immer zwischen 1.0 - 1.1 % zu. Einen  wesentlichen Beitrag für diese Zunahme leistet die Personenfreizügigkeit.

 

Wenn man den Strombedarf senken will, so muss man dem  überdurchschnittlichen Wachstum entgegenwirken und gleichzeitig den Strombedarf  von neuen Geräten senken. Zum Beispiel müssen stromverbrauchende Geräte, welche  neu auf den Markt kommen, eine gesetzlich vorgeschriebene Energieeffizienz  aufweisen.

 

Durch den Kurzschlussentscheid aus der Atomenergie auszusteigen, ist der  Bundesrat nun gefragt Alternativen zu finden, welche die Atomkraftwerke  kompensieren. Es ist wichtig, dass eine Alternative gefunden wird, welche  gleich effizient aber nicht teurer ist. Zum jetzigen Zeitpunkt wird das nicht  möglich sein, da die Atomenergie die effizienteste Möglichkeit ist, Strom zu  erzeugen. Das Steigen des Strombedarfs kann nicht gestoppt werden, aber durch  eine kontrollierte Zuwanderung kann dem rapiden Steigen des Strombedarfs  entgegengewirkt werden. Bis das erste Atomkraftwerk vom Netz geht, wird in der  Schweizer Energiepolitik noch einiges geschehen.